Wir gedenken unserer Tiere,

die im Tierheim sterben mussten. 

2019

So wie es auch das Leben gibt, gibt es auch den Tod.

Das ist meine Geschichte:
Am Samstag erblickte ich mit meinen drei Geschwistern das Licht der Welt. Das Licht der Welt war in unserem Fall die hellen Neonröhren der Quarantänestation. Während der Geburt kamen immer wieder Pfleger mit besorgten Blicken. Sie sagten Dinge, die ich nicht hören wollte. Meine Mama tat ihr Bestes, doch war sie schon sehr alt und hatte nicht mehr die Kraft vier Kitten zu gebären. Aber Gott sei Dank waren die Pfleger da: Sie unterstützen meine Mama bei der Geburt, sie schnitten unsere Nabelschnur durch, sie befreiten unsere Atemwege vom eingeatmeten Fruchtwasser, sie machten uns sauber und regten unseren Kreislauf an. Kein leichter Start ins Leben, aber immerhin waren wir alle am Leben.
Nach der ersten Erleichterung folgte schnell der nächste Schock: Meine Mama gab keine Milch! Dabei wäre das für uns so wichtig gewesen, enthält die Erstlingsmilch doch viele lebenswichtige Abwehrstoffe, die keine industriell gefertigte Aufzuchtsmilch – und sei sie noch so gut – ersetzen kann. Nun standen die Pfleger vor einem weiteren Problem: Wer hatte die Zeit mich und meine Geschwister alle zwei Stunden zu füttern? Alle Pflegestellen waren bereits besetzt und so mussten wir im Tierheim bleiben. doch alles Schlechte hat auch etwas Gutes. Wir durften einen wundervollen Menschen kennen lernen: Lena. Sie arbeitete im Tierheim und war von nun an immer für uns da. Dafür verbrachte sie auch die Nächte im Tierheim, verzichtete auf ihr eigenes Bett und auf viel Schlaf.  Zusammen gaben wir alles – doch trotz aller Anstrengungen reichte es nicht aus. Am Dienstag bekamen wir blutigen Durchfall. Zwei meiner Geschwister verstarben noch am selben Tag. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mussten wir auch mein letztes Geschwisterchen gehen lassen.
Und ich? So gerne wäre ich die Hoffnung gewesen, die sich meine Pfleger so sehr wünschten. Gerne hätte ich ihnen gezeigt, dass ihre Mühen nicht ganz umsonst waren. Doch meine Kraft reichte nicht aus. Ich war zu klein, zu schwach… Am Mittwoch Mittag bin auch ich über die Regenbogenbrücke gegangen.

Immer noch müssen viel zu viele Kitten diese Welt viel zu schnell wieder verlassen. Wir werden geboren, um zu sterben. Unser Leid wäre vermeidbar gewesen. Lassen Sie Ihre Katzen kastrieren, um Schicksale wie meines und meiner Geschwister zu vermeiden.

Am 6. März mussten wir unseren Linus über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Erst am Freitag, 5 Tage vor seiner Euthanasie, wurde der arme Tropf als Fundkater zu uns gebracht; sein Vorderbeinchen hatte eine solch massive Verletzung, dass es noch am selben Tag abgenommen werden musste. Er wollte nichts fressen und lag regungslos in seiner Quarantänebox. Doch Linus schien seinem Schicksal zu trotzen und machte unheimlich schnelle Fortschritte in seiner Genesung. 
Schon am Samstag versuchte unser tapferer Kämpfer eigenständig zu fressen, am Sonntag konnte er bereits sein Köpfchen selbstständig halten, am Montag unternahm er seine ersten wackeligen Aufsteh-Versuche und am Dienstag schaffte er es längere Zeit zu sitzen. 
So schien sich alles zum Guten zu wenden, doch das Schicksal hatte andere Pläne mit unserem kleinen Tierheim-Helden. Die Wunde fing an zu nässen. Beim Tierarzt wurde eine schwere Anämie festgestellt, außerdem hatten sich unter der Wunde Unmengen an Eiter gebildet. Es gab keine Hoffnung auf Heilung und so konnten wir Linus letztendlich nur von seinem Leiden erlösen.
So gerne hätten wir mehr für ihn getan, aber immerhin konnte er ohne Schmerzen einschlafen und durfte in seinen letzten Tagen noch ein wenig menschliche Zuneigung erfahren, die er sichtlich genossen hat.
Mach’s gut kleiner Kämpfer!

2018

Völlig unerwartet mussten wir gestern unseren Udini über die Regenbogenbrücke gehen lassen.

Der ca. 2,5-jährige Neufundländer-Mix kam im Dezember 2016 aus einer Beschlagnahmung des Veterinäramtes zu uns ins Tierheim. Wir wissen nicht, was er alles ertragen musste, bis er bei uns strandete, doch allzu schöne Erfahrungen waren es sicherlich nicht.
Wochen- ja monatelang saß der Arme Tag und Nacht angststarr in seiner Zwingerecke. Ein Verlassen des Hundehauses schien undenkbar zu sein.
Doch Udini lernte in winzig kleinen Schritten „seinen“ Menschen zu vertrauen.
Wir waren mit ihm soweit, dass er freudig mit seinen zwei- und vierbeinigen Freunden im Auslauf das Leben genießen konnte. Er hatte sogar Interessenten gefunden, die ihm alle Zeit der Welt gelassen hätten, die er gebraucht hätte, um zu ihnen auf eine Dauerpflegestelle zu ziehen.
Endlich schien sich für unseren Sorgenbären alles zum Guten zu wenden – doch das Leben ist manchmal hart und das Schicksal nicht fair.
Seit Dienstag verschlechterte sich Udinis Zustand plötzlich ohne Erklärung derart, dass wir am Donnerstag mit ihm in eine Tierklinik fahren mussten. Dort wurde bei einem MRT festgestellt, dass sein Gehirn deutlich zu klein war. Da er mittlerweile nicht einmal mehr stehen konnte, nur noch hechelnd und krampfend auf dem Boden lag und auch die Ärzte uns keine Hoffnung auf Besserung gaben, konnten wir ihm am Ende nur noch von seinem Leiden erlösen.

Auch wenn sein Hundeleben viel zu kurz war und er noch so viele schöne Dinge hätte erleben sollen, war er ein toller Hund, der uns einmal mehr gezeigt hat, dass Aufgeben keine Option ist.

Machs gut, kleiner Schnuffel, du wirst uns fehlen!

„Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist.“
(Franz Kafka)

Seit nunmehr drei Jahren wohnte Jonas, der als Haus- und Hofhund mit Freund Rico gelebt hatte, bis sein Herrchen ins Pflegeheim kam, bei uns. Er war schon ein greiser Geselle mit diversen Zipperlein, als er hier einzog, und eigentlich dachten wir schon damals, wir müssten uns in nicht allzu ferner Zukunft vom braven Buben verabschieden. Doch Jonas überlebte seinen eigentlich agiler scheinenden Hundekumpel und fand hier die wohl beste Freundin seines Lebens: seine Betreuerin Frau L., die sich rührend und fürsorglich um ihn kümmerte. Mit ihr unternahm er streckenmäßig freilich immer kürzer werdende Spaziergänge, bei denen er aber alle Zeit der Welt bekam, um immer wieder Päuschen einzulegen. Stets hatte sie eine Iso-Matte unterm Arm, damit Jonas es gemütlich hatte, sollten ihm die Knie weich werden oder die Puste ausgehen, sowie etwas zu trinken oder was ihm sonst Freude bereitete dabei.

Wie der alte Knabe das genoss, sich auf sie freute und wie dankbar er ihr war! Umso schwerer war der offensichtlich immer näher rückende Abschied für sie.Ende letzter Woche nun war der Tag gekommen: Jonas‘ Kräfte waren endgültig geschwunden und es war an der Zeit, den guten Kerl erlösen zu lassen; unwürdig sollte es nicht mit ihm zu Ende gehen. Wir sagen leise Servus, freuen uns, Jonas kennen gelernt und ihm noch gute Tage beschert zu haben – etwas, das ohne seine liebe Gassigängerin nicht möglich gewesen wäre; unseren allerherzlichsten Dank hierfür!

Und du, Jonas, schlaf gut – du hattest ein langes, ereignisreiches Leben; ruh dich aus. Wir werden dich nicht vergessen.

„Das größte Geheimnis ist das Leben,
das tiefste Geheimnis ist die Ewigkeit,
das schönste Geheimnis ist die Liebe –
ein Geheimnis, dem selbst der Tod machtlos gegenübersteht.“

Mit diesen Worten eines unbekannten Autoren musste sich unsere Tierpflegerin Lena letzte Woche von Felix verabschieden, der den Meisten hier schlicht unter seinem Spitznamen Opi bekannt war.
Vor nunmehr fünf Jahren wurde der einst nicht immer ganz einfache Geselle im Tierheim abgegeben, im April wäre er 18 Jahre alt geworden. Schon länger hatte das Alter dem inzwischen braven, freundlichen und seine Zeit allzu gern mit seinen zwei- und vierbeinigen Freunden verbringenden Buben zugesetzt. Im Tierheim selbst war Felix nur zu Gast, er lebte in keinem Zwinger; nein, er durfte seine letzten Jahre mitten in der Familie seiner Pflegerin verbringen, was Opi sehr genoss.Obwohl rational nachvollziehbar war, dass Felix am letzten Stück seines Weges hier angekommen war, trifft uns der Tod jedes unserer Schützlinge, besonders der uns langjährig vertrauten, immer wieder.Wir danken Frau N. herzlich für die kompetente und liebevolle Pflege sowie all den Spaß, den Felix mit ihr und den anderen Tieren noch haben durfte. Und du, Opi, bleibst in unserer Erinnerung – bar aller Zipperlein; run free!

2017

„Wenn die Kraft versiegt,
die Sonne nicht mehr wärmt,
dann ist der ewige Frieden eine Erlösung.“

Pauli war ein Hof- und Zwingerhund, lange dreizehn, vierzehn Jahre, bis er vor etwa fünfzehn Monaten als Fundtier bei uns strandete. Zwar konnten wir seinen Besitzer ermitteln, doch der hatte kein Interesse mehr an dem sozusagen bereits ausgemusterten Burschen und hätte ihn umgehend einschläfern lassen. Ja, Pauli war schon damals gebrechlich, zeigte aber so viel Lebensfreude, dass wir das als schlicht zu früh empfanden sowie ihn bei uns behielten – und das war wohl Paulis schönste Zeit in seinem langen Hundeleben. Halb taub, fast blind und geplagt von den klassischen Zipperlein im Alter, genoss er dennoch mehr Spaziergänge, Ansprache und Natur als es ihm wohl je zuvor vergönnt gewesen war.

Obwohl wir alle wussten, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft von ihm Abschied werden nehmen müssen, kam Paulis Herzinfarkt für uns doch überraschend.

Schlaf gut, alter Freund. Wir hoffen, du nimmst zumindest ein paar gute Erinnerungen an das Leben hier mit. Es war schön, dich kennengelernt zu haben.